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Was ist Herzinsuffizienz?


Die Herzmuskelschwäche oder Herzinsuffizienz ist ein schwerwiegendes Krankheitsbild, welches die Lebensqualität und die Lebenserwartung der Betroffenen deutlich einschränkt. In Deutschland leben nach Expertenschätzungen bis zu 4 Millionen Menschen mit chronischer Herzschwäche. Auch ist Herzschwäche der häufigste Grund für Krankenhauseinweisungen. Jedes Jahr müssen rund 465.000 Patienten im Krankenhaus wegen Herzschwäche behandelt werden und fast 40.000 Menschen sterben jährlich an Herzschwäche.

Von Herzinsuffizienz sind überwiegend ältere Menschen beider Geschlechter gleichermaßen betroffen. Im Mittel sind die Patienten 78 Jahre alt bzw. 10 % der Menschen über 75 Jahre leiden unter einer Herzschwäche.

Da durch die Herzinsuffizienz auch andere Organfunktionen in Mitleidenschaft gezogen werden können, sind hervorragende Kenntnisse seitens der Ärzte erforderlich, um die zunehmend komplexe Therapie der Patienten optimal und nebenwirkungsarm zu steuern. Mindestens genauso wichtig ist jedoch auch eine umfassende Krankheitsaufklärung des Patienten, zu der wir im Folgenden beitragen wollen.

Symptome & Ursachen von chronischer Herzschwäche

Chronische Herzschwäche beginnt häufig schleichend über Wochen mit Atemnot bei Belastung, Abnahme der Leistungsfähigkeit (z. B. Treppensteigen, Bergangehen, schnell laufen), vermehrter Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Schwellungen an Knöcheln und/oder Unterschenkeln (Ödeme = Wassereinlagerung) sowie ein rascher Herzschlag („Herzklopfen“). Diese eher unspezifischen Anzeichen werden leider häufig von den Betroffenen fehlinterpretiert als „normale“ altersbedingte Einschränkung.

Bei den oben genannten Symptomen ist eine Vorstellung beim Hausarzt oder Kardiologen erforderlich. Der Arzt sichert Symptome und führt eine körperliche Untersuchung durch (u.a. Suche nach Wassereinlagerung in Lunge oder Beinen). Insbesondere kann durch die Messung des Biomarkers NT-proBNP („Herzschwächewert“ im Blut, dessen Höhe mit dem Schweregrad der Herzschwäche korreliert) der Verdacht auf eine Herzschwäche erhärtet oder ausgeschlossen werden. Schließlich zeigt das Herzultraschall (Echokardiographie) direkt die Herzleistung und mit dem MRT (Kernspin) kann man neben der exakten Messung der Herzleistung auch „sanft“ in den Herzmuskel hineinschauen, um Gründe für eine Herzschwäche (z.B. Narben oder Entzündungen) herauszufinden.

Zahlreiche unterschiedliche Erkrankungen können Ursache für die Ausbildung einer Herzschwäche sein. Bei Weitem am wichtigsten (70-80%) sind hier die koronare Herzkrankheit (Durchblutungsstörung des Herzens mit dem Risiko für einen Herzinfarkt) und hoher Blutdruck. Besonders gefährlich ist es, wenn koronare Herzkrankheit, hoher Blutdruck und Diabetes gemeinsam auftreten. Für 20-30% der Herzschwäche-Fälle sind Herzklappenerkrankungen, angeborene Herzfehler oder entzündliche Herzerkrankungen (z.B. nach verschleppter Grippe) verantwortlich. Seltenere Ursachen sind Alkohol, Drogen, oder bestimmte Medikamente.

Es ist wichtig zu beachten, dass es zwei Formen der Herzschwäche gibt:

  1. .Die systolische Herzschwäche (Pumpversagen des Herzens, HFrEF = Heart failure with reduced ejection fraction) weist eine zu geringe Pumpkraft des Herzmuskels auf, etwa zwei Drittel dieser Patienten leiden an koronarer Herzkrankheit.
  2. Die diastolische Herzschwäche (Füllungsversagen des Herzens, HFpEF = Heart failure with preserved ejection fraction) weist eine vermehrte Steifigkeit und ungenügende Entspannungsfähigkeit des Herzmuskels auf, sodass es zu einer unzureichenden Füllung der Herzkammer(n) mit Blut kommt. Häufig ist der Herzmuskel verdickt und die meisten Patienten mit diese Form leiden an Bluthochdruck. Hier sind Frauen häufiger betroffen.
    Hoher Blutdruck ist wesentlich an der Entwicklung beider Formen einer Herzschwäche beteiligt. Durch zu hohen Blutdruck wird zum einen die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung begünstigt und damit steigt die Gefahr für einen Herzinfarkt und für eine systolische Herzschwäche (Pumpversagen). Auf der anderen Seite kommt es durch die vermehrte Arbeit des Herzmuskels (Auswerfen des Blutes gegen hohen Widerstand = Blutdruck) zu einer Wandverdickung des Herzmuskels, was wiederum die Entspannungsfähigkeit des Herzmuskels in Mitleidenschaft zieht (diastolische Herzschwäche).

Behandlungsmethoden bei Herzinsuffizienz

Nach Sicherung der Diagnose einer Herzschwäche geht es darum, sowohl die Herzschwäche selbst als auch die Ursachen so gut wie möglich zu behandeln.

Zu Letzterem gehört bei Vorhandensein von Durchblutungsstörungen zunächst die Wiederherstellung einer möglichst optimalen Durchblutung des Herzens. Dies kann entweder mittels Stent-Implantation im Herzkatheter oder mittels einer Bypass-Operation erfolgen. Auch schwerwiegende Herzklappenfehler sollten möglichst korrigiert werden. Gleichzeitig müssen ein hoher Blutdruck (Zielwerte < 140/90 mm Hg, bei > 80 Jahren < 150/90 mm Hg) und Diabetes gut eingestellt werden.

Die Therapie der Herzschwäche umfasst, je nach Stadium, mindestens 3-4 verschiedene Medikamente, die schrittweise aufdosiert werden müssen, um eine gute Verträglichkeit zu erreichen.

Bei systolischer Herzinsuffizienz sind die wesentlichen Medikamentenklassen, die auch miteinander kombiniert werden:

  1. ACE-Hemmer (z.B. Ramipril, Enalapril, u.a.) / Angiotensinrezeptorblocker (z.B. Candesartan, Irbesartan, Telmisartan, Valsartan, u.a.) / Angiotensinrezeptorblocker-Neprilysininhibitor (z.B. Entresto®)
  2. Betablocker (z.B. Bisoprolol, Metoprolol, Nebivolol, Carvedilol)
  3. Aldsteronantagonisten (z.B. Spironolacton, Eplerenon)
  4. Ivabradin
  5. Diuretika (z.B. Furosemid, Torasemid, HCT, Xipamid, u.a.)
  6. SGLT-2 Inhibitoren (z.B. Dapagliflozin, Empagliflozin)
  7. Digitalispräparate

Da es eine Vielzahl an möglichen Medikamenten gibt, die Patienten-individuell kombiniert und eingestellt werden müssen, gehört die Herzinsuffizienztherapie in die Hände von Spezialisten.

Zusätzlich leiden viele Patienten auch an anderen Erkrankungen (z.B. der Lunge oder des Stoffwechsels wie Diabetes), die ebenfalls bestimmte Medikamente erforderlich machen. Daher ist es wichtig, dass jeder behandelnde Arzt über alle Medikamente informiert ist. Nur so können Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten reduziert werden.

Sehr wichtige Empfehlungen bei systolischer und diastolischer Herzschwäche beinhalten zudem regelmäßige körperliche Aktivität (Ausdauertraining und leichtes Krafttraining 2-3 x pro Woche für 30 Minuten, bzw. bis man schwitzt), Vermeidung und Reduktion von Übergewicht sowie eine gesunde Ernährung (Stichwort „mediterrane Kost“, kein Nachsalzen).

Zusätzlich zur medikamentösen Therapie kann auch ein Herzschrittmacher erforderlich werden. Dies ist der Fall, wenn das Herz entweder allein zu langsam schlägt oder zu lange Pausen macht. Dann sorgt der Schrittmacher für einen ausreichenden, auch an die Bewegung angepassten Herzschlag.

Speziell bei systolischer Herzschwäche kann es auch passieren, dass die Kontraktion des Herzmuskels nicht mehr synchron und koordiniert abläuft. Das erkennt man im EKG. Dann kann eine sogenannte kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) mit einem speziellen Herzschrittmacher sogar eine deutliche Verbesserung der Pumpleistung erzielen.

Weitere neue und innovative Behandlungsverfahren gibt es zudem im Rahmen von klinischen Studien und Registern. Sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt an, wenn Sie zusätzliche Therapieoptionen erwägen wollen.

Schließlich ist auch die Implantation eines Defibrillators (ICD) bei Patienten mit systolischer Herzschwäche dann empfohlen, wenn ein hohes Risiko für den sogenannten plötzlichen Herztod vorliegt. Dies wird regulär mit den Patienten und ggf. den Angehörigen gemeinsam besprochen.

Chirurgische Therapie bei Herzschwäche

Für Patienten mit schwersten, irreversiblen Herzerkrankungen im Endstadium ist eine Herztransplantation oft die letzte Therapieoption. So wurden im Jahr 2020 in Deutschland insgesamt 339 Herzen transplantiert. Demgegenüber stehen mehr als 1.100 Patienten, die aufgrund ihrer schweren Herzerkrankungen auf ein Spenderorgan warten (Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation / DSO).

Als Hessisches Transplantationszentrum ist die Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim von der Hessischen Landesregierung benannt. Neben dem Transplantationsprogramm für Erwachsene gibt es für schwer herzinsuffiziente Patienten in Bad Nauheim, aber auch am UKGM in Gießen, ebenfalls die Möglichkeit, mit einem sogenannten Kunstherz (LVAD) versorgt zu werden. Dieses unterstützt die schwache Herzkammer durch eine kleine, direkt an das Herz implantierte Pumpe.
Ob ein Patient für eine dieser Therapiemöglichkeiten in Frage kommt, wird innerhalb von gemeinsamen Fallkonferenzen und Einbezug von Kardiologen, Herzchirurgen, Psychologen und den weiteren betreuenden Ärzten interdisziplinär und gemeinsam entschieden.

Psychische Erkrankungen in Folge einer Herzschwäche

Als Folge einer Herzschwäche können auch psychische Erkrankungen auftreten. Herzschwäche schränkt den persönlichen Lebensspielraum, die Lebensqualität und die Lebenserwartung ein. Verstärkend wirken psychische Begleiterkrankungen wie Depression, Angst und verringerte geistige Leistungsfähigkeit (kognitive Dysfunktion) sowie familiäre und berufliche (Über-) Belastung. Eine Folge von Depression bei Herzschwäche sind auch häufigere Krankenhausaufenthalte. Frauen und jüngere Patienten sind hier häufiger betroffen.

Eine Depression rechtzeitig zu erkennen, ist für den Arzt und den Betroffenen nicht einfach – ein Screening auf Depression und auch Angststörung wird empfohlen, damit eine kompetente, idealerweis psychokardiologische Therapie erfolgen kann.

Impfungen bei Patienten mit Herzschwäche

Wichtig: Für Patienten mit Herzschwäche ist eine Impfung gegen saisonale Influenza empfohlen, ebenso wie der regelmäßige Impfschutz gegen Pneumokokken (alle 5 Jahre). Diese Infektionen können über einen Befall vorwiegend der Lunge das Herz stark belasten und zur Entgleisung einer Herzschwäche führen. Zudem sind Herzschwächepatienten anfälliger für schwere Verläufe.

Akute Herzschwäche = Notfall = 112 wählen!

Während die chronische Herzschwäche schleichend über Monate und Jahre entsteht, kommt es bei der akuten Herzschwäche innerhalb von Minuten bis Stunden zu einem plötzlich auftretenden, lebensbedrohlichen Herzversagen (kardiogener Schock) und/oder Wasserüberladung der Lunge (=Lungenödem, z.B. bei Entgleisen einer chronischen Herzschwäche).

Die Symptome sind extreme Atemnot (am schlimmsten im Liegen), Husten mit Flüssigkeit oder Schaum aus Rachen und Mund, Todesangst und beim Herzinfarkt auch ausstrahlende Brustschmerzen und Kaltschweißigkeit.

Infektion mit dem neuen Corona-Virus – SARS-CoV2 (Erkrankung COVID19)

Hintergrund

Die Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19) verläuft bei Patienten mit Herz- und Kreislauferkrankungen weit schwerer als bei zuvor Gesunden. Bisherige Daten weisen darauf hin, dass neben höherem Lebensalter insbesondere Bluthochdruck, Diabetes, aber auch kardiovaskuläre Erkrankungen ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf mit sich bringen. Rund 40% der bisher hospitalisierten COVID-19-Patienten leiden unter einer chronischen Herzkreislauferkrankung (z.B. stattgehabter Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck). Virusinfektionen wie die mit dem Coronavirus, aber auch Influenza (Grippe), führen häufig zu einer allgemeinen Destabilisierung bei kardialen Risikopatienten. Die beschränkte Reserve des Herzens insbesondere bei Herzschwächepatienten kann dann von den beschleunigten Stoffwechselvorgängen und der Kreislaufbelastung bei einer Infektion rasch überfordert werden. Virusinfektionen, die die Atemwege angreifen, wie Influenza, SARS, MERS oder COVID-19 stellen dabei eine besondere Herausforderung für das kardiovaskuläre System dar.

Das Coronavirus kann neben der Lunge auch die Gefäßinnenhaut (Endothel) infizieren, mit den Folgen einer generalisierten Gefäßentzündung. Dies hat eine vermehrte Gerinnselbildung (Thrombose und Embolie) zur Folge und kann bei Patienten mit Gefäßverkalkungen über eine Destabilisierung von Plaques auch zu Herzinfarkten führen. Darüber hinaus wurden auch Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) beobachtet sowie vermehrte Herzrhythmusstörungen.

Eine kausale Therapie mit einem bestimmten Medikament gibt es derzeit nicht, aber durch Impfungen können schwere Verläufe effektiv reduziert werden. Zudem kennen die Ärzte mittlerweile die Komplikationen auch bei schwerem Verlauf und können heute schon besser behandelt werden als vor wenigen Monaten.

Trotzdem muss eine Eindämmung der weiteren Verbreitung des Virus über entsprechende persönliche und auch öffentliche Maßnahmen oberste Priorität genießen.

Medikamente (Stand 05/2021)

Wichtiger Hinweis: Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Alle Medikamente müssen individuell mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

Basis-Medikation bei Herzschwäche mit reduzierter Auswurfleistung (HFrEF)

Grundprinzip

Stufenweise Therapieeskalation, niedrig starten, Aufdosieren so hoch wie möglich, Nebenwirkungen aktiv überwachen, Leitliniengerecht behandeln.

Therapieziele

Linderung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität, Verlangsamen oder Verhindern des Fortschreitens der Herzschwäche, Stärkung der Herzleistung, Steigerung der Lebenserwartung, Reduzierung von Notfalleinweisung ins Krankenhaus und Krankenhausaufenthalten.

ACE-Hemmer / Sartane (z. B. Ramipril, Enalapril / Candesartan, Telmisartan, Valsartan)

Indikation:
Basistherapie in allen Stadien der Herzschwäche.

Wirkung:
Schutz des Herzmuskelgewebes vor ungünstigen Anpassungsvorgängen (Remodeling), Verbesserung der Belastungstoleranz, Senkung der Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit.

Nebenwirkung:
Reizhusten unter ACE-Hemmern bei ca. 5 % der Patienten, dann Wechsel zu Sartanen.
Selten ödematöse Schwellung der Haut in Mund und Rachen (Angioödem, sofortige ärztliche Hilfe erforderlich).

Zu beachten:
Beginn mit niedriger Dosis unter engmaschiger Überwachung, regelmäßige Kontrollen von Nierenfunktion und Kaliumspiegel, Verdopplung der Medikamentendosis ca. alle 14 Tage bei Notwendigkeit und Toleranz durch den Patienten. 

Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI)

Entresto® (Sacubitril | Valsartan)

Indikation:
Bei systolischer Herzschwäche mit Symptomen und reduzierter Herzleistung (LVEF < 40 %), trotz Gabe von ACE-Hemmern/AT1-Blocker, Betablocker.

Wirkung:
Schutz des Herzmuskelgewebes vor ungünstigen Anpassungsvorgängen (Remodeling), Verbesserung der Belastungstoleranz, Senkung der Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit.

Zu beachten:
Bei Vorbehandlung mit ACE-Hemmern muss die Therapie mit ACE-Hemmern 36 Stunden vor Umstellung abgesetzt werden. Danach kann die Therapie mit Sacubitril/Valsartan begonnen werden. Bei Patienten mit niedrigem Blutdruck kann die Therapie mit halber Dosierung angefangen werden. Der Patient soll keine Vorgeschichte für Schwellung der Haut in den Mund und Rachen ( Angioödem).

Nebenwirkungen:
Niedriger Blutdruck mit Schwindelgefühl oder Benommenheit, verminderte Nierenfunktion (Nierenfunktionsstörung), Kaliumüberschuss, Verdopplung der Medikamentendosis ca. alle 14 Tage bei Notwendigkeit und Toleranz durch den Patienten.

Betablocker (z. B. Bisoprolol, Metoprolol)

Indikation:
Basistherapie in allen Stadien der Herzschwäche.

Wirkung:
Schützt das Herz vor sogenannten Stresshormonen (Adrenalin, Noradrenalin), Verlangsamt den Herzschlag und gibt dem Herzen so die Möglichkeit effektiver zu arbeiten, Verbesserung der Belastungstoleranz, Senkung der Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit.

Zu beachten:
Beginn mit geringer Dosis unter engmaschiger Überwachung. Verdopplung der Medikamentendosis ca. alle 14 Tage bei Notwendigkeit und Toleranz durch den Patienten.

Gegenanzeige (Kontraindikation):
Langsame Herzrhythmusstörung, niedriger Blutdruck.

Bei anhaltender schneller Herzfrequenz über 75 Schlägen pro Minute trotz der Therapie mit Betablocker oder bei Kontraindikation empfehlen die Leitlinien die zusätzliche Einnahme von Ivabradin.

iF-Kanal-Blocker (Ivabradin)

Indikation:
Bei symptomatischer Herzschwäche und schlechter Pumpfunktion, wenn im Sinusrhythmus ein Puls (Herzfrequenz) größer 75 Schlägen pro Minute trotz Behandlung mit Beta-Blockern besteht, bei Beta-Blocker-Unverträglichkeit.

Wirkung:
Senkung die Herzfrequenz bei regelmäßigem Herzschlag.

Aldosteron-Antagonisten (z.b. Spironolacton, Eplerenon)

Indikation:
Bei symptomatischer Herzschwäche und eingeschränkter Auswurfleistung der linken Herzkammer, zusätzlich zur Basistherapie Therapie mit ACE-Hemmer / ARB / ARNI und Beta-Blocker.

Wirkung:
Leichte Förderung der Flüssigkeitsausscheidung, Senkung des Blutdrucks, Senkung der Sterberate.

Zu beachten:
Kalium- und Vitamin-D-Präparate nur in Absprache mit dem Arzt einnehmen.

Nebenwirkungen:
Kaliumüberschuss begleitet von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen besonders bei Patienten mit Nierenschwäche.

Schwellung der Brustdrüsen besonders bei Männern (Gynäkomastie) unter Spironolacton, dann in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt auf Eplerenon wechseln.

SGLT-2-Inhibitoren (Empagliflozin oder Dapagliflozin)

Indikation:
Zur Behandlung von Herzschwäche mit eingeschränkter Pumpfunktion (auch als Diabetesmedikament eingesetzt).

Wirkung:
Leichte Gewichtsabnahme und Blutdrucksenkung.
Reduktion von Krankenhauseinweisungen sowie Klinikaufenthalten, Reduktion der Sterblichkeit.

Diuretika, „Wassertreibende Mittel“ (z. B. Furosemid, Xipamid)

Indikation:
In allen Stadien der Herzschwäche, wenn klinisch eine Wassereinlagerung vorliegt.

Wirkung:
Harntreibender Effekt mit konsekutiver Senkung des Blutdrucks, symptomatische Therapie ohne Prognoseverbesserung.

Nebenwirkungen:
Elektrolytstörung mit möglichem Risiko für Herzrhythmusstörungen.

Herzglykoside (z. B. Digoxin, Digitoxin)

Indikation:
Als Reservemittel bei trotz leitliniengerechter Herzinsuffizienztherapie inkl. Beta-Blocker bei bestehender belastungsabhängiger Atemnot, bisher ohne nachgewiesene Prognoseverbesserung. Zur Herzfrequenzkontrolle vor allem bei Patienten mit Vorhofflimmern bei nicht ausreichender Wirksamkeit einer Therapie mit Beta-Blockern.

Wirkung:
Senkung der Herzfrequenz.

Zu beachten:
Wirkspiegel kontrollieren. Bei Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen sowie Grün-Gelb-Sehstörungen ist eine sofortige ärztliche Behandlung erforderlich.

Eisensubstitution (z.B. Ferinject® intravenös)

Indikation:
Behandlung eines Eisenmangels bei belastungsabhängiger Atemnot trotz Ausreizung der leitliniengerechten Therapie, bei Herzschwäche mit reduzierter Pumpfunktion.

Wirkung:
Steigerung der körperlichen Leistung, Besserung der Lebensqualität, Senkung der Krankenhausaufenthalte.

Medikamente mit negativem Einfluss auf Patienten mit Herzschwäche

(sollten individuell und kontrolliert nur nach sorgfältiger Nutzen-Risikoabwägung durch den behandelnden Arzt eingesetzt)

  • Rheuma-/Schmerzmittel : nicht-selektive NSAR (z. B. Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen u. a.)
  • Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (z. B. Flecainid, Propafenon, Dronedaron, Sotalol)
  • Blutzuckersenker (z. B. Glitazone, Metformin, Gliptine)
  • Calciumantagonisten (z. B. Verapamil , Diltiazem )
  • Migränemittel (z. B. Triptane, Sumatriptan)
  • Blutdrucksenker α1-Blocker: Doxazosin, Terazosin) sowie α2-Agonisten (Minoxidil)
  • Antidepressiva (z. B. Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Venlafaxin u. a.)

Medikamentöse Therapie bei Herzschwäche mit erhaltener linksventrikulärer Ejektionsfraktion (HFpEF)

Heutzutage ist eine prognoseverbessernde medikamentöse Therapie noch nicht bekannt!

Ziel der medikamentösen Therapie bei Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion:
Linderung von Beschwerden v. a. Atemnot sowie Verhinderung einer Wassereinlagerung.

Behandlung bzw. gute Einstellung von Begleiterkrankungen (z. B Bluthochdruck, Diabetes mellitus), Reduktion von Krankenhauseinweisungen.

a) Optimale Einstellung des Blutdrucks mittels blutdrucksenkender Medikamente.
Ziel RR max. < 130mm Hg systolisch und 80 mm Hg diastolisch (130 /80 mm Hg)

b) Entwässerungstherapie bei Zeichen einer Flüssigkeitsretention mittels Diuretika (Entwässernde Arzneimittel)
Aldosteron-Antagonisten (z. B. Spironolacton)
Senken den Blutdruck, verringern die Einlagerung von Bindegewebe am Herzen.

c) Gute Einstellung der Blutzuckerkrankheit
Ziel: HbA1c unter 6,5 % (individuell mit dem behandelnden Arzt zu besprechen)

d) Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern)
Wiederherstellung eines regulären Sinusrhythmus bzw. Senkung einer schnellen Herzfrequenz (z.B. Ablation / Pulmonalvenenisolation).

Impfschutz bei Herzschwäche

  • Eine jährliche Grippeschutzimpfung (Influenza) wird empfohlen.
  • Eine Impfung gegen Lungenentzündung/Pneumokokken (alle 5 Jahre) wird empfohlen.
  • Impfung gegen SARS-Cov-2 (Covid19), in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt empfohlen.

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